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Rossini Festival Pesaro

Il Barbiere di Siviglia

Kritik aus dem Heft 10/1997 “Das Opernglas”

Auch wenn inzwischen die verschiedensten Rossini-Festspiele mit dem Rossini Opera Festival, kurz genannt ROF, konkurrieren, die allsommerlichen Festspiele in Pesaro haben ihren Ausnahmerang und ihr ganz besonderes Flair bewahren können. ...

Jeder Besucher des hübschen Teatro Rossini am 16.8.97, dem die rechte Urlaubsstimmung noch abging, wurde zweifellos schon wenige Minuten nach dem Beginn von der guten Laune dieser so gut wie restlos geglückten “Babiere di Siviglia”-Vorstellung angesteckt. Schon die Ouvertüre befand sich in den besten Händen: denjenigen des jungen Dirigenten Yves Abel, der sich als ebenso temperamentvoller wie kompetenter Orchesterleiter erwies. Tempo, Esprit und sein spürbares Vergnügen an den typischen Rossini-Crescendi zeichneten Abels Dirigat aus, dem das wohltönende ORT-Orchestra della Toscana willig und flott folgte. Die Inszenierung von Luigi Squarzina mit den Bühnenbildern und Kostümen von Giovanni Agostinucci stammt aus dem Jahr 1992 und zeigte sich bei dieser Wiederaufnahme von manch überflüssigem Regiemäzchen, das vor fünf Jahren den Unmut von Teilen des Premierenpublikums hervorgerufen hatte, befreit. Die Bühnenbilder - mächtige Mauern und eine Stadtansicht von Sevilla im ersten Bild, Portale und verschnörkelte Säulen in Gold und Blau, wie dem Inneren einer prunkvollen Kirche entnommen, ab dem zweiten Bild - erwiesen sich als etwas schwerfällige, aber brauchbare Kulisse für die turbulente Handlung. Diese steht und fällt bekanntermaßen mit den Sängern, und da gab es an diesem Abend keinerlei Anlaß zu Beschwerden.
Paul Austin Kelly sang den Almaviva mit Bravour und Leichtigkeit. Von Beginn an agierte er mit vollem Einsatz und hatte dennoch genügend Kondition für seine in der hier gespielten Fassung wieder eingefügte Schlussarie “Cessa di più resistere”, dem Vorbild für das Rondo der Angelina in der später entstandenen “Cenerentola”.
Neben diesem Conte mit Verführungsausstrahlung, dem man es zugetraut hätte, Rosina auch ohne die Hilfe Figaros zu erobern, vermochte Roberto Frontali in der Titelpartie dennoch überzeugend zu bestehen. Ein stimmlich und körperlich beweglicher Figaro, der seine berühmte Arie mit Bravour aufs Parkett legte und durch lebhafte Mimik und Gestik für so manchen Lacher im Publikum sorgte. Gerade darin stand ihm Bruno Partico in der Rolle des Bartolo, vom Regisseur als eitler Fatzke angelegt, in nichts nach. Stimmlich mußte sich Partico allerdings doch dem gewaltigen Bass von Giovanni Furlanetto als Don Basilio geschlagen geben, der in seiner Verleumdungsarie den “colpo di cannone” erdonnern ließ und mit den Tönen spielte, daß es ein wahres Vergnügen war. ....
aus “Das Operglas” 18. Jahrgang, Oktober 1997.

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